Eine Spondylolisthese, häufig auch als „Gleitwirbel“ bezeichnet, beschreibt das Gleiten eines Wirbels nach vorne im Verhältnis zum darunterliegenden Wirbel. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen der degenerativen Spondylolisthese (auch als Pseudospondylolisthese bekannt) und der isthmischen Spondylolisthese.
Der Begriff „Isthmus“ (oder Spondylolyse) bezieht sich auf einen Defekt im Bereich des sogenannten Pars interarticularis, einem Abschnitt zwischen den Facettengelenken zweier Wirbel. Eine Spondylolyse kann sowohl einseitig als auch beidseitig auftreten. Das Vorkommen einer Spondylolyse bedeutet jedoch nicht, dass es zwangsläufig zu einem Wirbelgleiten kommt. Liegt jedoch ein tatsächliches Gleiten aufgrund dieses Defekts in der Pars interarticularis vor, spricht man von einer isthmischen Spondylolisthese. Diese spezielle Form resultiert also direkt aus der strukturellen Schwäche oder dem Bruch im Isthmusbereich (1).
Um den Schweregrad eines Gleitwirbels einzuschätzen wird die Klassifikation nach Myerding verwendet. In einer seitlichen Röntgenaufnahme wird die Spondylolisthese in 5 Grade eingeteilt.
Myerding 1: 0 – 25%
Myerding 2: 26 – 50%
Myerding 3: 51 – 75%
Myerding 4: 76 – 100%
Myerding 5: > 100%
Pathogenese
Am häufigsten betrifft die isthmische Spondylolisthese das Segment L5/S1, den Übergang zwischen der Lendenwirbelsäule und dem Kreuzbein. Neben genetischen Faktoren spielt auch eine mechanische Belastung eine zentrale Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf der Erkrankung.
Besonders häufig tritt die Spondylolisthese in Gruppen auf, die ihre untere Lendenwirbelsäule wiederholt stark belasten. Dazu gehören beispielsweise Turner, Cricketspieler oder Gewichtheber. Man geht davon aus, dass die Kombination aus repetitiver Überbeanspruchung und einer genetischen Veranlagung (z. B. minderwertige Knochenqualität) das Risiko für Defekte in der Pars interarticularis erheblich erhöht. Diese Defekte können dann langfristig zur Entwicklung einer isthmischen Spondylolisthese führen (1).
Nur ca. 50% aller Patienten mit beidseitiger Spondylolyse (Defekt im Bereich des Pars interarticularis) weisen auch eine Spondylolisthese auf. Bei einseitiger Spondylolyse ist die Wahrscheinlichkeit eines Gleitwirbels unwahrscheinlich (2).
Das Vorkommen eines Gleitwirbels bedeutet nicht, dass auch zwangsläufig Symptome wie Schmerz oder Bewegungseinschränkung auftreten. Warum einige Spondylolysen symptomlos bleiben und andere Rückenschmerzen oder radikuläre Schmerzen auslösen, ist bis heute noch unklar.
Bei der degenerativen Spondylolisthese ist v.a. das Segment L4/L5 betroffen.
Die degenerativen Prozesse (Bandscheibendegeneration, Facettengelenksarthrose, etc.) führen zu einer Veränderung der Biomechanik des betroffenen Wirbelsegmentes. Man nimmt an, dass v.a. die Bandscheibendegeneration zu einer Fehlbelastung der Facettengelenke führt und potentiell ultimativ in einem Gleitprozess endet. Auch bei der degenerativen Spondylolisthese ist noch unklar welche Faktoren tatsächlich mitspielen.
Typische Symptome
Nicht alle Patienten bei denen auf einem MRT oder Röntgen eine Listhese zu sehen ist, entwickeln überhaupt Symptome. Es kommt hierbei sehr stark auf den Grad der Spondylolisthese an – wie weit der Wirbel bereits nach vorne geglitten ist. Oftmals bleiben Betroffene mit einem niedrigeren Schweregrad (Myerding 1 – 2) asymptomatisch (3).
Klassische Symptome eines Gleitwirbels sind: Rückenschmerzen, Steifigkeit, Schmerzen bei längerem Sitzen oder Stehen und in manchen Fällen ausstrahlende Beschwerden. Typischerweise verschlimmert sich der Schmerz beim Strecken des Rückens. Spondylolyse und isthmische Spondylolisthesis verursachen selten neurologische Defizite, jedoch ist es möglich das bei Schwerbetroffenen sowohl sensible als auch motorische Ausfälle vorkommen (3).
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung der Spondylolisthese richtet sich nach dem Schweregrad der Wirbelverschiebung, den Symptomen und den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen. Außerdem ist die Behandlung stark davon abhängig, ob es sich um eine isthmische oder degenerative Spondylolisthese handelt.
Bei isthmischer Spondylolisthese
In den meisten Fällen wird zunächst auf konservative Maßnahmen gesetzt, die das Ziel haben, Schmerzen zu lindern, die Wirbelsäule zu stabilisieren und die Mobilität zu verbessern. Eine Operation ist nur dann erforderlich, wenn neurologische Ausfälle auftreten (auch Cauda-equina-Syndrom) oder Schmerzen persistieren.
In der Akutphase stehen Ruhe und Schonung (ggf. mit Orthese) der Lendenwirbelsäule sowie ein Sportverbot im Vordergrund. Sobald der klinische Zustand es erlaubt, wird schrittweise eine Belastungssteigerung eingeleitet, um die notwendige Belastbarkeit für sportliche Aktivitäten wiederherzustellen. Im Fokus stehen dabei die Kräftigung der lokalen und globalen Muskulatur, die Verbesserung der muskulären Kontrolle sowie die Beweglichkeit angrenzender Gelenke. Auch das Dehnen relevanter Muskelgruppen, wie der ischiokruralen Muskulatur, und sportartspezifische Übungen spielen eine wichtige Rolle (4).
Bei degenerativer Spondylolisthese
Wie auch bei der istmischen Spondylolisthese, steht hier ein initialer konservativer Ansatz im Vordergrund. Dieser umfasst: Anpassungen der Alltagsaktivitäten, Schmerzreduktion durch entzündungshemmende Medikamente sowie verschiedene physiotherapeutische Maßnahmen. Trainingstherapeutische Übungen, die den Fokus auf die Beugung der Wirbelsäule legen, zeigen besonders gute Ergebnisse, da sie Schmerzen lindern und die Funktionalität verbessern können. Passive Maßnahmen wir Stromtherapie, Ultraschall oder spinale Manipulationen können hilfreich sein, jedoch wurden diese Maßnahmen noch nicht ausreichend untersucht, um Empfehlungen zu geben (5).
Fazit
Die Spondylolisthese ist eine komplexe Erkrankung, deren Entstehung sowohl genetische als auch mechanische Faktoren beeinflussen. Ihre Symptome und Schweregrade variieren stark, sodass die Behandlung individuell angepasst werden muss. Konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Kräftigungsübungen und Schmerzmanagement stehen in den meisten Fällen im Vordergrund, während Operationen nur bei schweren Fällen mit neurologischen Ausfällen oder persistierenden Beschwerden in Betracht gezogen werden. Entscheidend ist ein strukturierter Therapieansatz, der sowohl die Stabilität der Wirbelsäule als auch die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessert.
Quellen:
S. Kroppenstedt AH. S2k-Leitlinie „Spezifischer Kreuzschmerz“. Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.; 2024.
Kreiner DS, Baisden J, Mazanec D, Patel R, Bess RS. Diagnosis and Treatment of Adult Isthmic Spondylolisthesis.
Mohile NV, Kuczmarski AS, Lee D, Warburton C, Rakoczy K, Butler AJ. Spondylolysis and Isthmic Spondylolisthesis: A Guide to Diagnosis and Management. J Am Board Fam Med. 23. Dezember 2022;35(6):1204–16.
Selhorst M, Allen M, McHugh R, MacDonald J. REHABILITATION CONSIDERATIONS FOR SPONDYLOLYSIS IN THE YOUTH ATHLETE. Intl J Sports Phys Ther. April 2020;15(2):287–300.
Bydon M, Alvi MA, Goyal A. Degenerative Lumbar Spondylolisthesis. Neurosurgery Clinics of North America. Juli 2019;30(3):299–304.
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