Anhaltende Schmerzen an der Kniescheibe Richtung Patellasehne, vor allem beim Treppensteigen oder bei Sprungbelastungen? Das könnte auf eine Patellasehnen-Tendinopathie hinweisen, die auch als „Jumper’s Knee“ bekannt ist. Hier erfährst du alles Wichtige über diese Erkrankung und wie Physiotherapie dabei helfen kann.
Was steckt dahinter?
Die Patellasehnen-Tendinopathie betrifft die Sehne zwischen Kniescheibe (Patella) und Schienbein. Sie dient als Verbindungsstück des Quadrizepsmuskels und ist damit unabdingbar für aktive Kniestreckung. Anders als bei einer plötzlichen Verletzung entwickelt sich diese Erkrankung meist über einen längeren Zeitraum. Ursächlich sind oft wiederholte Belastungen der Sehne, besonders bei Sprüngen oder schnellen Richtungswechseln und eine zu geringe Erholungszeit zwischen den Belastungen.
Wer ist besonders gefährdet?
Die Patellasehnen-Tendinopathie tritt besonders häufig auf bei:
- Menschen zwischen 15 und 30 Jahren
- Sportlern in Sportarten wie Volleyball, Basketball, Tennis und Fußball
- Aktivitäten mit häufiger Sprungbelastung oder schnellen Richtungswechseln
- Häufiger bei Männern als bei Frauen
Typische Anzeichen
Die Beschwerden zeigen sich meist sehr charakteristisch bei der Belastung der Patellarsehne:
- Schmerzen beim Treppensteigen
- Beschwerden bei hockenden Tätigkeiten
- Schmerzen während längerem Sitzen
Interessant ist das „Aufwärm-Phänomen“: Die Schmerzen sind zu Beginn der sportlichen Aktivität vorhanden, verschwinden aber während des Trainings. Am Tag nach der Belastung können die Beschwerden jedoch wieder auftreten.
Physiotherapeutische Behandlung
Die gute Nachricht, mit gezielter physiotherapeutischer Behandlung lässt sich eine Patellasehnen-Tendinopathie gut therapieren. Ein wichtiger Behandlungsansatz umfasst mehrere Bausteine und dabei ist besonders die individuelle Situation und Progression von hoher Bedeutung:
- Genaue Diagnostik um den aktuellen Bedarf zu erkennen und andere Diagnosen auszuschließen.
- Individuelles Übungsprogramm: Je nach Vorgeschichte und aktueller Irritierbarkeit sollte ein anderer Behandlungsansatz gestartet werden. Des Weiteren ist die Therapie an die individuelle Situation der Person anzupassen.
- Bei einer Sehnenproblematik die bereits über einen längeren Zeitraum besteht und es wahrscheinlich bereits zu pathologischen Veränderungen des Sehnenmaterials gekommen ist, kann die Therapie wie folgt aussehen:
- Start mit isometrischen Übungen, mit Fokus auf die Schmerzreduktion und Aktivierung des Quadrizepsmuskels.
- Übergang zu gezieltem Kraftaufbau: Hierbei ist es wichtig die Sehne wieder Stufenweise zu belasten und eine breite Basis für explosive Aktivitäten zu legen.
- Fortschreiten zu plyometrischen Übungen (z.B. Sprünge). In diesem Abschnitt ist zu Beginn besonders wichtig, ein großes Volumen zu bewältigen. Anschließend wird die Intensität gesteigert.
- Schrittweise Rückkehr zum Sport – wenn gewünscht.
- Bei einer Sehnenproblematik die bereits über einen längeren Zeitraum besteht und es wahrscheinlich bereits zu pathologischen Veränderungen des Sehnenmaterials gekommen ist, kann die Therapie wie folgt aussehen:
- Belastungssteuerung: Die richtige Dosierung von Aktivitäten ist entscheidend für den Heilungsprozess, wobei klar gesagt werden muss, dass Schmerz ein langwieriger Begleiter bei Sehnenbeschwerden sein kann.
- Ergänzende Behandlungen: Je nach Fall kommen auch Techniken wie Querfriktionen oder Stoßwellentherapie zum Einsatz.
Zeitlicher Verlauf
Die Heilung einer Patellasehnen-Tendinopathie braucht Zeit – typischerweise 6-12 Monate bis zur vollständigen Rückkehr zum Wettkampfsport. Mit professioneller Begleitung sind jedoch stetige Fortschritte möglich, und viele Aktivitäten können oft schon früher wieder aufgenommen werden. Die Empfehlung ist es, erst bei voller Schmerzfreiheit wieder in den Wettkampf einzusteigen. Trainingseinheiten werden schon vorab absolviert.
Auf dem Weg zur Besserung
Knieschmerzen müssen niemanden dauerhaft von geliebten Aktivitäten abhalten. Die meisten Menschen mit einer Patellasehnen-Tendinopathie können durch gezielter Behandlung zu ihrem gewünschten Aktivitätsniveau zurückkehren. Der wissenschaftlich fundierte Behandlungsansatz, kombiniert mit aktiver Mitarbeit im Rehabilitationsprozess, führt zu sehr guten Ergebnissen.
Physiotherapeutische Begleitung ist der erste Schritt auf dem Weg zurück zu schmerzfreier Bewegung. Ein individuell angepasster Behandlungsplan berücksichtigt dabei persönliche Ziele und Bedürfnisse.
Nehmen wir eure Problematik in Angriff!
Let’s go!
Euer Simon
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